Daytrading Erfahrungen – Patricks Rückblick auf sein erstes Jahr an der Börse Teil 1

Viele kleine Gewinne, Hochgefühle, große Verluste, Selbstzweifel. Am Ende blieb ein kleiner Profit, viele spannende Daytrading-Erfahrungen, eine nachhaltige Veränderung meiner Persönlichkeit und eine emotionale Achterbahn.

Heute blicke ich mit einem lachendem und einem weinenden Auge auf mein erstes Jahr an der Börse zurück.

Ich begann im Januar 2017 mit dem Trading.

Finanziell war meine Situation damals eigentlich ganz gut, wenn das Wort eigentlich nicht wäre. Es reichte zum Leben, die Familie zu ernähren und um mir die kleinen Wünsche im Leben zu erfüllen. Aber ich war im Job nicht zufrieden, es fühlte sich seit einigen Jahren “festgefahren” an.

Vor kurzem hatte der Firmenchef gewechselt, der Sohnemann hat die Firma des Vaters übernommen und begann erstmal damit, eine Reihe von Leuten zu entlassen und sich aufzuführen, als ob er alles wüsste. Dieser Junge der nach ein paar Jahren an der Uni glaubte, er müsste alles umkrempeln und jeden von oben herab zu behandeln. Ich weiß noch wie besorgt meine Frau und ich damals waren. Wir hatten gerade erst unser Traumhaus gebaut und das erste Kind war unterwegs, wir arbeiteten beide in der gleichen Firma und waren komplett von den Launen dieses Jungen abhängig und das zum denkbar schlechteste Zeitpunkt, den Job zu verlieren.

Durch Zufall sah ich damals eine Doku im TV, wo eine ältere Frau irgendwo auf einer kleinen Insel bei England lebte und dort, mitten im Nirgendwo, in einer kleinen Blockhütte vor eine Computer irgendwelche Charts analysierte und damit Geld verdiente. Sie nannte es Forex-Trading und ich war sofort fasziniert davon. Mit ein paar Mausklicks online Geld zu verdienen von überall auf der Welt aus klang einfach zu verlockend.

Ich stimmte mich kurz mit meiner Frau ab und nahm mir zwei Wochen Urlaub. Ich weiß noch wie ich damals dachte, ich lerne das jetzt zwei Wochen und wenn alles gut geht, muss ich gar nicht mehr zur Arbeit zurück. Ich malte mir schon aus, wie ich meine Kündigung überreichte und diesem Jungen der Chef spielte mal ordentlich die Meinung sagte.

Mit diesem Bild im Kopf, startete mein Trading.

Meine erste Trading-Lektion, die mich 1.000 Euro gekostet hat

Bei meiner Recherche stieß ich damals als erstes auf ein automatisches Handelsprogramm. Angeblich musste man das nur installieren und das macht dann den Rest. Ich dachte mir damals als Einsteiger vielleicht gar keine so schlechte Wahl. 399 USD sollte das kosten und naja, warum nicht mal probieren? Die Zahlen sahen gut aus und die Webseite wirkte auch seriös.
Das war jedenfalls mein erster “teurer” Fehler.

Die 399 Dollar waren weg, das Handelskonto ging schneller leer als ich gucken konnte und irgendwie war der Anbieter auch plötzlich nicht erreichbar. Es dauerte nicht mal eine Woche, bis nahezu alles weg war.

Während ich das hier heute schreibe, komme ich mir selbst dumm dabei vor, das ich da so leichtgläubig war, aber ihr müsst euch vorstellen, dass ich zu dem Zeitpunkt einfach nur raus wollte aus dem alten Job, ich wollte mich um meine Familie kümmern können. Diese Situation hat mein Hirn irgendwie ausgeschaltet.

Am Ende blieben ca. 1.000 Euro Verlust aber auch eine wichtige Lektion:

Niemand schenkt dir irgendwas. Niemand verkauft ein profitables Handelssystem. Lasst die Finger von sowas.

Der zweite Versuch – 940 Euro im Monat Gewinn im Monat an der Börse?

Im zweiten Anlauf, beschloss ich dann, erstmal die Theorie zu lernen. Ich kaufte einige Bücher und las dutzende Webseiten.
Der Urlaub ging zu Ende, und ich hatte noch keinen einzigen Trade durchgeführt. Ich hatte mir das anders vorgestellt und die Kündigung rückte erstmal in weite Ferne.

Um dann doch wenigstens anzufangen hab ich dann am Freitag Nachmittag, wo wie ich heute weiß, eigentlich nichts mehr los ist, doch noch ein paar Trades gemacht. Erst ein kleiner Gewinn, dann noch ein kleiner Gewinn, dann noch einer. Dann mein erster Verlust und alles war wieder weg. Aber dann folgten noch ein paar Gewinne und am Ende des Tages hatte ich aus 500 Euro, 547 Euro gemacht. Der Stundenlohn war lächerlich, wenn man all die Aufregung bedenkt und die nervliche Belastung, aber es war verdammt nochmal ein Gewinn.

47 Euro am Tag, sind bei 20 Handelstagen 940 Euro im Monat. Wenn ich mit 1.000 Euro anfangen würde, könnten es 1880 Euro sein. Das war ca. mein damaliges Gehalt.

Das ganze Wochenende über war ich euphorisch. Wir gingen Essen, von dem Geld und es fühlte sich wie ein neues Leben an.

Damals dachte ich wirklich so einfach. Ich dachte, es würde immer so weiter gehen und mir kam es damals nicht in den Sinn, das es einfach nur Glück war.

Ich ging weiter zu Arbeit – Aber im Kopf war nur noch Trading

Der erste Tag auf Arbeit war eine Katastrophe. Ein Berg von unerledigten Aufgaben, hunderte Emails unbeantwortet, in der Zwischenzeit war ein weiterer Kollege dem jungen Chef zum Opfer gefallen.

Aber was mich am meisten störte, war nicht die Arbeit. Selbst der Chef war mir an diesem Montag egal.

In meinem Kopf drehten sich meine Gedanken nur ums Trading. Ich wollte wieder zurück an den Computer. Ich hatte das Gefühl, ich hatte einen Schatz gefunden, er liegt da direkt vor meiner Nase und anstatt ihn zu bergen, sitze ich meine Zeit in diesem Büro ab.

Innerlich war das die Kündigung, aber ein Glück fehlte mir noch der Mut, diesen Schritt wirklich zu gehen.

Rückwirkend kann ich sagen ein Glück, denn nach Feierabend ging es wieder ans Trading und es lief ein wenig anders als erwartet.

Der dritte Versuch – Die Freiheit zum Greifen nahe

Ich hatte extra früh mit der Arbeit angefangen, weil ich vor Börsenschluss noch unbedingt zu Hause sein wollte, um zu traden. Damals handelte ich den DAX, EUR/USD, den Cable und ein wenig Rohstoffe wie Öl und Gold behielt ich natürlich auch im Auge. Ich wollte ja keine Chance verpassen.

Kaum zu Hause öffnete ich die Charts und klick hier klick da, sofort hatte ich eine handvoll Positionen offen und war wieder voll dabei.

Gold im Plus, DAX im Plus, Öl lief noch nicht so, da passierte irgendwie gar nichts, EUR/USD wartete ich noch ab.

Ein paar kleine Gewinne konnte ich am Montag mitnehmen, insgesamt ca 35 Euro. Etwas weniger als geplant, aber nagut, ich war trotzdem zufrieden. Aus heutiger Sicht total verrückt, ich hatte in ca 2 Stunden ungefähr 80!!! Trades gemacht.

Als meine Frau nach Hause kam, zeigte ich ihr stolz meine Ergebnisse und wir träumten gemeinsam ein wenig von der Freiheit und was wir alles machen würden mit dem Geld.

So ging das ca. zwei Wochen. Fast täglich kleine Gewinne, Arbeit empfand ich immer mehr als Störung und ich dachte damals, wenn ich nur kündigen würde und mich voll und ganz auf das Trading konzentrieren würde, könnte ich da viel mehr verdienen.

Rückblickend ein wichtiger Rat für alle Einsteiger vorweg: Der Gedanke ist totaler Unsinn! Erst recht wenn man mit 500 oder 1.000 Euro mit dem Trading beginnt. Aber naja, man wird ja mal träumen dürfen.

Nach den zwei Wochen stand mein Handelskonto bei ca. 1.000 Euro. So weit so gut, es war nicht mehr die anfängliche Euphorie, aber es fühlte sich richtig an. Ich war endlich mein eigener Chef, ich konnte selbst bestimmen und ich hatte immer noch dieses “Schatz-Gefühl”.

Das Interessante war, wie sich nicht nur mein Kontostand veränderte sondern meine Sicht auf alles. Es war ein Gefühl von Überlegenheit. Ich fühlte mich unheimlich clever. Während all die anderen Menschen in meiner Firma in Angst und Unsicherheit diesem jungen Chef förmlich in den *** krochen, war es mir egal geworden. Ich fühlte mich viel selbstbewusster und komischerweise lies der junge Chef mich dann auch gefühlt einfach in Ruhe.

Ich arbeitete meine Stunden ab, und zu Hause widmete ich mich dem Trading, oder dem, was ich damals für Trading hielt.

Ich saß einfach nur am Rechner und klickte nach Lust und Laune rum. Reines Bauchgefühl. Die Bücher hatte ich ja schon lange nicht mehr nötig, da es gut lief.

Naja war auch ein Fehler aber das wurde mir erst klar, als ich eine Pechsträhne hatte…

Pech gehabt?

Nach ungefähr einem Monat verließ mich mein Glück. Ich hatte mir damals die ersten 1.000 Euro ausgezahlt und meiner Frau einen Urlaub auf Teneriffa versprochen, den wir von dem Geld machen wollten.

Während sie fleißig den Urlaub plante tradete ich immer mehr. Mittlerweile hatte ich die Handelssoftware auch auf dem Handy installiert und widmete mich auch auf Arbeit immer mehr dem Trading.

Doch es lief nicht gut. Hier ein kleiner Verlust, da ein kleiner Verlust und das Handelskonto wurde immer kleiner.

Ich hatte das Gefühl, dass egal was ich tat, einfach nichts mehr klappte.

Es war meine erste richtige Pechsträhne, in der Börsensprache spricht man von einem Drawdown. Die kleinen Verluste halbierten mein verbleibendes Geld innerhalb einer Woche.

Ich zog mich innerlich immer mehr zurück, wir hörten auf gemeinsam zu träumen und ich merkte, wie mich der Druck immer mehr belastete.

Ich wechselte den Broker, in der Hoffnung, dass es dann besser wird. Neues Handelskonto, neues Glück, ich zahlte noch etwas mehr Geld ein, doch es half nichts.

Meine Frau merkte natürlich, dass etwas nicht stimmte. Aber da ich etwas mehr Geld eingezahlt hatte, konnte ich ihr die scheinbaren Gewinne zeigen und so ging es fast einen ganzen weiteren Monat.

Ein Großteil meiner Trades zu dem Zeitpunkt waren Verluste, doch dann war da immer wieder der eine, der Gewinne erzielte.

Der eine Trade, der die Hoffnung und das Gefühl von Freiheit wieder aufleben ließ.

Ich zahlte heimlich noch zwei Mal weiteres Geld ein, bis ich endlich Begriff, dass es so nicht weitergehen kann.

Wie sage ich es meiner Frau?

Ich beschloss mit meiner Frau darüber zu reden. Das mag komisch klingen aber das war für mich der mit Abstand schwerste Schritt. Wir hatten schon einige Gute und Schlechte Zeiten gemeinsam erlebt. Aber noch nie hatte ich sie belogen, aber was ich damals als viel schlimmer empfand war ein Gefühl von Scham.

Ich liebte sie, ich liebte es, gemeinsam mit ihr zu träumen, ich liebte es, wenn sie sagte, dass sie stolz auf mich ist.

Das Geld zu verlieren war das eine, aber in ihren Augen als Verlierer darzustehen und ihr dann auch noch zu beichten, dass unser Urlaubsgeld eigentlich schon längst verloren war, das war unglaublich hart.

Als wir eines Abends am Küchentisch saßen, fasste ich dann trotzdem all meinen Mut und beichtete ihr die ganze Wahrheit.

Ihre verständnisvolle Reaktion überraschte mich und zeigte mir einmal mehr, dass sie sie Richtige Frau für mich war.

Mit ihr über alles zu reden, verschaffte mir so eine unglaubliche Erleichterung.

Gemeinsam schmiedeten wir einen neuen Plan 🙂

Noch sollte der Traum vom erfolgreichen Trader nicht verloren sein…

Weiter geht es im zweiten Teil.

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