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Spektakulärer 9230% Kursanstieg – Shortsqueeze erklärt am Beispiel Wallstreetbets – GME

Moin.

In diesem Artikel erfährst du, wie du 9230% Rendite mit einem einzigen Trade hättest erzielen können. Ich erkläre dir die Details, wie ein sogenannter Shortsqueeze funktioniert und gehe auf einige praktische Beispiele, wie die spektakuläre Situation der Gamestop Aktie (GME) ein.


Dies ist ein in dieser Form bisher einmaliger Fall an der Börse und eine moderne David gegen Goliath Geschichte, aus der sich auch in Zukunft spannende Handelschancen für dich ergeben können… vielleicht bist du beim nächsten 9000+% Trade dabei?

Doch von vorne…

Als Trader suchen wir die Situationen, in denen die Märkte sich irrational verhalten und es zu “Fehlerhaften” Bewertungen von Aktien kommt. Insbesondere in Ausnahmesituationen wie Corona, Wahlen, Dieselskandale, etc. in denen die Märkte besonders stark schwanken, liegen die größten Handelschancen.

Eine solche Ausnahmesituation ist ein sogenannter Short-Squeeze. Doch bevor ich dir den erkläre gibt es noch ein wichtiges Detail zu verstehen: Wie du an der Börse von fallenden Kursen profitieren kannst.

Long und Short – wie du von fallenden Aktienkursen profitieren kannst

Bevor wir uns die Beispiele im Detail ansehen, ist es wichtig zu verstehen, dass du an der Börse nicht nur von steigenden, sondern auch von fallenden Kursen profitieren kannst.

Dazu habe ich hier ein Video für dich aufgenommen.

Bei fallenden Aktienkursen profitieren - Long und Short

Das Video wird auf YouTube gehostet. Mit dem Klick auf den Play-Button wird das Video von da abgespielt.

 

Der Short-Squeeze

Wenn du eine Aktie “shortest”, spekulierst du also darauf, dass der Kurs fällt. Du leihst dir also eine Aktie aus, deren aktueller Kurs 100 Euro beträgt und verkaufst diese für 100 Euro.

Du hast eine Aktie Schulden, keine Aktie mehr im Besitz und 100 Euro.

Hinweis: Steuern und Gebühren vernachlässigen wir an dieser Stelle.

Wenn der Kurs der Aktie dann auf 70 Euro fällt, kaufst du die Aktie, gibst die geliehene Aktie zurück und begleichst so deine Schulden.

Du hast also keine Aktie, keine Schulden und 30 Euro Gewinn.

So weit die Theorie, wenn alles glatt läuft.

Betrachten wir wir jetzt den Short-Squeeze.

Dazu betrachten wir wieder das Szenario der Aktie, die zu einem Kurs von 100 Euro ausgeliehen wurde.

Nehmen wir an, jetzt steigt der Kurs auf 130 Euro. Dann ist das erstmal eine doofe Situation für mich, wenn ich darauf gewettet habe, dass der Kurs fällt.

Nicht nur, weil ich theoretisch 30 Euro Verlust erzielt habe, sondern, weil es bei Short-Positionen einen ganz entscheidenden Unterschied zu Long-Positionen gibt:

Bei einer Long Position, sind meine Verluste immer begrenzt. Der Kurs der Aktie kann im schlimmsten Fall auf 0 Euro fallen, was extrem unwahrscheinlich ist, aber ich kann niemals mehr als meine 100 Euro verlieren, für die ich die Aktie gekauft habe.

Bei einer Long-Position, kannst du nie mehr verlieren, als du eingesetzt hast.

Bei einer Short-Position ist das anders. Wenn die Aktie jetzt auf 300 Euro steigt, habe ich 200 Euro Verlust. Theoretisch gibt es für den Kursanstieg einer Aktie auch keine Grenzen, wie Tesla oder auch GME aktuell sehr schön zeigen. Die Aktie könnte also auch auf 1.000 Euro steigen und ich hätte 900 Euro Verlust!

Die Verluste bei Short-Positionen sind theoretisch unbegrenzt!

Ich kann jetzt also hoffen, dass die Aktie wieder fällt. Aber: Wenn sie steigt und steigt, siehe Tesla beispielsweise (Hier gab es ein ähnliches Szenario Ende 2020), dann muss ich irgendwann meine Positionen schließen, weil ich entweder Pleite bin, oder aber noch größere Verluste vermeiden will.

Um die Short-Position jetzt zu schließen, muss ich die geliehene Aktie zurückgeben. Da ich diese noch nicht habe, muss ich sie kaufen. Ich kaufe also die Aktie für 130 Euro, gebe sie zurück und nehme die 30 Euro Verlust hin.

Dadurch, dass ich zum schließen der Position die Aktie kaufen muss, entsteht aber eine höhere Nachfrage an der Börse, was den Kurs noch weiter nach oben treibt.

Hinweis: Die Börse ist ein Markt. Wenn die Nachfrage nach einer Aktie sich erhöht, steigt der Preis. Wenn die Nachfrage sinkt, fällt auch der Preis.

Und genau das ist das Szenario des Short-Squeeze.

Bei einem Short-Squeeze müssen bestehende Short-Positionen geschlossen werden, was dazu führt, dass die Aktien gekauft werden und der Aktienkurs weiter steigt.

Wie erkenne ich einen Shortsqueeze? – Der Short-Interest-Indikator

Wir wissen jetzt, dass es bei einem Short-Squeeze zu einem sprunghaften Anstieg der Aktienkurse kommt, weil Short-Positionen geschlossen werden müssen und dazu die Aktie gekauft werden muss.

Die spannende Frage ist jetzt, wie finde ich solche Situationen?

Ein Hinweis darauf ist der Short-Interest Indikator:

Der Short-Interest-Indikator ist eine Prozentzahl die aussagt, wie viele der Aktien aktuell verkauft wurden, aber noch zurückgegeben werden müssen. 

Ab einer gewissen Größe sind Hedgefonds und andere große Investmentfirmen dazu verpflichtet ihre Positionen und Bewegungen offen zu legen. Der Börsenhandel und das Handelsvolumen das ist alles relativ transparent, insbesondere in den USA.

Es gibt auch einfache Webseiten wie https://www.highshortinterest.com/ oder https://shortsqueeze.com/ wo du eine Auflistung findest, welche Aktien gerade am meisten Short Positionen gegen sich laufen haben.

Hinweis: Die Daten dieser Seiten sind nicht immer aktuell und müssen auch nicht genau sein. Sie sind lediglich ein Hinweis. 

In diesen Datenbanken tauchen natürlich eher die großen Investmentfirmen auf, in denen meistens Leute handeln, die viel mehr Ahnung von Markt haben als der kleine Trader.

Von daher ist ein steigender Short-Interest meist ein Zeichen davon, dass du als privater Trader auch die entsprechende Aktie prüfen oder ggf. verkaufen solltest, falls du sie im Portfolio hast.

Normalerweise bewegt sich dieser Short-Interest-Indikator zwischen 0 und 100. Also entweder sind 0% der Aktien aktuell Short, oder aber 100%.

Es gibt aber auch Ausnahmesituationen, wie in unser heutigen Geschichte mit der GME Aktie, in der der Short-Interest über 100% liegt. 

Wie kann das passieren?

Wie kann eine Aktie wie GME mehr als 140% Short sein?

Long und Short, das sollte jetzt soweit klar sein. Das spannende an der aktuellen Geschichte mit GME ist, dass der sogenannte Short-Interest über 140% lag.

Wie kann so etwas passieren?

Aktien sind viel unterwegs

Ein möglicher Weg wäre, wenn wir mal 4 fleißige Trader betrachten. Alice, Bob, Tim und Tom.

Alice besitzt die GME Aktie und ihr Broker verleiht sie an Bob (entsprechende Klauseln, ob das verleihen von Aktien erlaubt/möglich ist sind in den Broker AGBs zu finden).

Bob verkauft die Aktie und geht praktisch Short, wie oben beschrieben, weil er hofft, dass die Aktie im Preis fällt. Bob schuldet Alice jetzt aber eine Aktie.

Tim kauft jetzt die Aktie von Bob und weiß natürlich nicht, dass diese nur von Alice geliehen war. Kann ihm ja auch egal sein. Aber Tim’s Broker könnte diese Aktie jetzt wiederum weiter verleihen an Tom.

Gleiches spiel von vorne. Tom leiht jetzt die Aktie und geht Short, weil auch er denkt, dass der Kurs der Aktie fällt.

Wir haben also nur eine Aktie, aber diese wurde zwei mal verliehen und zwei mal verkauft. Damit haben wir eine Short-Interest-Rate von 200%.

Naked Short Selling

Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte Naked Short Selling. Bei dieser Verkaufe ich etwas, was ich gar nicht besitze, in der Hoffnung, dass ich es schon später irgendwie günstiger bekomme. In den aktuellen Regularien der entsprechenden Behörden ist das explizit verboten.

Die Details würden hier zu weit führen, aber häufig spielten unseriöse Marketmaker, die um die Liquidität am Markt zu erhalten ungesicherte Positionen eröffnen, und Derivate da eine Rolle.

Angeblich kommt das in der Praxis aber nicht mehr vor oder es wurde schon eine weile keiner mehr erwischt 😀 Einige Marktteilnehmer behaupte, dass das hier vorgekommen ist, aber dafür gibt es derzeit keine Belege.

Was bedeutet das für die GME-Aktie und unsere Geschichte?

Wichtig für unsere Geschichte heute ist nur zu wissen, dass es ein Szenario gibt, bei dem theoretisch mehr Aktien (bzw. Derivate auf die Aktie) verkauft wurden, als tatsächlich vorhanden sind.

Letztendlich sind das eh alles nur virtuelle Zahlen auf irgendwelchen Computern.

Wenn dieser Fall auftritt, wissen wir, dass sich das oben beschriebene Szenario des Short-Squeeze sich noch verschlimmert.

Der Grund dafür ist folgender:

Stell dir vor, jemand will seine Short-Position schließen. Dann muss er die Aktie kaufen, aber kann das nicht tun, weil es gar nicht genug Aktien gibt oder aber niemand seine Aktien verkaufen will. Dann muss er solange einen höheren Preis für die Aktie bieten, bis jemand bereit ist, zu verkaufen.

Das führt zu extremen Kursanstiegen innerhalb kürzester Zeit.

Und bevor wir dann gleich endlich zum Beispiel kommen, gibt es noch eine Sache zu verstehen.

Noch nicht genug Gewinne? – Der Hebeleffekt

Das ganze Thema wird noch ein bisschen komplexer, wenn wir Derivate und Hebelprodukte betrachten. Der Abschnitt ist hier nur als Bonus zu sehen, für alle, die etwas tiefer in das Thema einsteigen wollen. Alle anderen springen einfach zum nächsten.

Im Daytradingkurs und meinem Buch “Daytrading für Einsteiger” erkläre ich das Ganze ausführlich, aber in Kurzform:

Es gibt eine Möglichkeit von der Kursentwicklung von Aktien zu profitieren, ohne die Aktien zu kaufen. Das erfolgt über sogenannte Derivate wie CFDs, Optionen oder Futures, deren Wert sich vom Kurs der Aktie ableitet.

Ein vereinfachtes Beispiel dazu anhand von CFDs, weil diese am einfachsten zu verstehen sind:

Wenn der Kurs der Aktie 100 Euro beträgt, ist der Kurs des CFD auf die Aktie ebenfalls 100 Euro.

Aber: Wenn ich den CFD bei einem entsprechenden Broker kaufe, muss ich statt 100 Euro beispielsweise nur 5 Euro als Sicherheitsleistung (engl. Margin) hinterlegen.

Wenn die Aktie dann um 5% steigt, hätte ich mit der echten Aktie 5 Euro Gewinn erzielt bei einem Kapitaleinsatz von 100 Euro. Das entspricht auch 5% Gewinn.

Mit dem CFD aber setze ich nur 5 Euro ein, um 5 Euro Gewinn zu erzielen! Mein Gewinn beträgt also 100% meines eingesetzten Kapitals!

Wenn ich die vollen 100 Euro als Sicherheitsleistung für den Kauf von CFDs auf die Aktien hinterlegt hätte, könnte ich darüber Aktien im Wert von 2.000 Euro handeln und würde somit auch 100 Euro Gewinn erzielen.

Bei diesem Effekt spricht man von einem Hebel. Der Hebel in diesem Beispiel beträgt 20.

Meine Gewinne, aber auch die Verluste! werden durch diesen Hebel vervielfacht. Das Gute daran aber ist, dass ich nicht mehr verlieren kann, als ich eingesetzt habe 😉

Die meisten Akteure unser heutigen Börsengeschichte nutzen diese Möglichkeiten von gehebelten Finanzprodukten, um ihre Gewinne zu vervielfachen. Meist jedoch mit Optionen / Optionsscheinen, die jedoch nochmal deutlich komplexer sind als CFDs und durch die es zusätzlich zu einem sogenannten Gamma Squeeze kommt.

Der Gamma Squeeze entsteht, weil die Trader nur einen kleinen Betrag für den Kauf einer Option bezahlen müssen, wohingegen die Austeller der Optionen ab einem gewissen Bedarf die echten Aktien als Sicherheit kaufen müssen, wenn genug Trader entsprechende Optionen handeln. Also der Trader bezahlt nur ein paar Cent für die Option, die Aktie irgendwann zu kaufen, aber der Broker/Marketmaker muss die echte Aktie zum vollen Preis kaufen. Diese Situation, auch Gamma Squeeze genannt, führt dazu, dass sich der Kurs der echten Aktien weiter erhöhen kann und hier ebenfalls wieder ein Hebel vorliegt.

Nagut, ich will da an dieser Stelle auch nicht zu tief einsteigen in das Thema … sonst hören wohl die meisten auf zu lesen, bevor die heutige spannende Geschichte beginnt… aber durch die Optionen auf Aktien kommt

Und jetzt, wo die Grundlagen geklärt sind, sehen wir uns das mal an einem spektakulären Beispiel an. Doch vorher stelle ich noch kurz die Akteure unser Geschichte vor.

Die bösen Hedgefonds: Wer handelt mit Short-Positionen?

Jede gute Geschichte benötigt einen Bösen, der von den Helden bekämpft wird.

In unserer heutigen Geschichte ist das ein Hedgefonds namens Melvin Capital. Hedgefonds sind Fonds, die nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse wetten und oftmals davon profitieren, dass es anderen nicht so gut geht oder die Wirtschaftsleistung von Staaten/Unternehmen sinkt.

Hier profitieren einige wenige, die in diesen Fonds investiert sind, ohne dafür irgendeinen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen. Deshalb ordne ich sie hier mal als die Bösen ein.

Hinweis: Natürlich ist nicht alles so schwarz und weiß und solche Shortseller können auch eine reinigende Wirkung für den Markt haben, Skandale aufdecken wie Wirecard, etc. Aber das sollte meiner Meinung nach Aufgabe der Regulierungsbehörden wie der BAFIN sein… aber ist hier nicht Thema … und die hat bei Wirecard z.B. auch ziemlich alt ausgesehen… 

Melvin Capital hat also im großen Stil darauf gewettet, dass eine Aktie namens Gamestop (GME) fällt.

Warum tun sie das?

Gamestop betreibt lokale Läden in denen Computerspiele verkauft werden. Das Geschäftsmodell ist in Zeiten von Steam und Co. wo alles online gekauft werden kann ohnehin schon angeschlagen. Aber durch den Corona-Lockdown mussten die Geschäfte auch noch schließen. Sprich es ist naheliegend, dass der Kurs erstmal fallen wird und das Unternehmen nicht die besten Aussichten hat.

Melvin Capital wollte das ausnutzen und daran eine Menge Geld verdienen. Sie haben also eine große Shortposition aufgebaut und darauf gewettet, dass der Kurs fällt.

Das haben auch andere große Marktakteure so gemacht und durch all diese großen Akteure kam es dazu, dass der Short-Interest auf die 140% gestiegen ist.

Das riecht an dieser Stelle ja schon nach Shortsqueeze …

Aber damit das Szenario perfekt wird, benötigen wir noch einen Grund, warum die Aktie denn steigen sollte. Denn fundamental, also an der schlechten wirtschaftlichen Aussicht von Gamestop, hat sich nichts geändert.

Und das ist der große Auftritt der Helden unserer heutigen Geschichte.

Bühne frei für …

Die Guten: /r/wallstreetbets – ein Haufen “Kleinanleger” auf der Suche nach Unterhaltung

Im Internet gibt es eine Seite, reddit.com, auf der sich Millionen von Leuten zu allen möglichen Themen austauschen. Von Comics, über Autos, Gartenthemen, Essen, Basteln aber halt auch Finanzen.

Auf Reddit gibt es dazu sogenannte Subreddits. Das sind Bereiche auf der Webseite, wo die Benutzer sich über das jeweilige Thema austauschen können.

Eines dieser Subreddits ist /r/wallstreetbets. Dank der aktuellen Medienaufmerksamkeit, sind dort aktuell mehrere Millionen Nutzer angemeldet und vermutlich lesen noch viel mehr mit. Im Verhältnis zu den großen Hedgefonds, welche oftmals Milliardenbudgets verwalten, sind das jedoch alles Kleinanleger.

Aber trotzdem haben sie sich aufgemacht, gegen die “Bösen” anzutreten.

Der große Kampf: David gegen Goliath

Runde 1: Mitte bis Ende Januar 2021

Das Szenario erinnert mich an einen Song von Ton Steine Scherben mit dem Titel Allein machen sie dich ein!

Die spannende Stelle:

In dem Land, in dem wir wohnen
Sind aber ‘n paar Millionen
Wenn wir uns erstmal einig sind
Weht, glaub ich, an ganz anderer Wind
Dann werden se nicht mehr lachen
Sondern sich auf die Socken machen.

Ja und genau das ist mehr oder weniger auch passiert. Diese Millionen von Kleinanlegern haben sich zusammengetan und begonnen, die Gamestop Aktien (GME) zu kaufen. Viele vermutlich ohne Ahnung von der Börse oder nur in der Hoffnung auf schnelle Gewinne, aber einige sicher auch mit guten Absichten und einer Portion Idealismus.

Dadurch stieg der Preis innerhalb kürzester Zeit enorm an. Von bescheidenen ca. 14$ Ende 2020 bis zu über 345$ im Januar 2021.

Das führte dazu, dass Melvin Capital, ein ca. 13 Milliarden Dollar schwerer Hedgefonds innerhalb kurzer Zeit Milliarden Verluste einfuhr. Laut CNBC  Betrug der Verlust ca. 7 Milliarden Dollar oder 100% auf die Position und 53% auf das gesamte Kapital des Hedgefonds.

Hier haben wir den perfekten Short Squeeze. Da die Börse ein Markt ist, geht dieses Geld an die mutigen Helden unser Geschichte.

Einer dieser derzeit gefeierten Helden ist Keith Gill, der aus ca. 50.000 Dollar ca. 50 Millionen Dollar machte. Er war einer der ersten GME Investoren, der das ganze Spektakel mit seinen YouTube Videos mit ausgelöst hat.

Einige sprechen hier von Marktmanipulation, aber das ist genau die Funktionsweise einer Börse. Jeder kann kaufen oder auch verkaufen, was er für richtig hält.

Runde 2: Ein paar Milliarden unter Freunden

Da man sich unter Freunden auch gerne mal die ein oder andere Milliarden ausleiht, wenn einer in Not ist, kamen zwei weitere Hedgefonds namens Citadel und Point72 Asset Management dem armen Melvin zur Hilfe und gaben ihm weitere 2,75 Milliarden Dollar zum spielen.

Die Schlacht kann also weiter gehen….

Update: Auch der Broker Robinhood hat sich 3.4 Milliarden geholt, um die steigenden Kapitalanforderungen einzuhalten.

Hinweis: Die Rolle von Citadel ist aktuell auch in den Fokus geraten. Denn zur Citadel Group gehört nicht nur ein Hedgefond sondern auch ein sogenannter Marketmaker Citadel Securities, der Liquidität an den Börsen bereit stellt. Damit stehen sie quasi auf beiden Seiten und profitieren immer… spannend ist außerdem, dass diese auch direkt mit dem Broker Robinhood verbunden sind. Mal abwarten, was da noch alles rauskommt…

Runde 3:  Hilfe für die “Bösen”

Die meisten unser Helden der Geschichte nutzten Trading Apps wie Robin Hood oder Trade Republic. Die machen es privaten Anlegern sehr einfach, an der Börse zu handeln und haben es sich auf die Fahnen geschrieben, die Märkte für alle zugänglich zu machen.

Sie werben mit meist mit kommisionsfreiem Handel, aber sind sicherlich auch nicht die Guten hier. Sie verdienen ihr Geld, indem sie die Handelsaufträge an sogenannte Clearing Stellen übermitteln mit denen sie einen festen Betrag ausgehandelt haben, bzw. teilweise durch höhere Differenzen zwischen dem An- und Verkaufspreis. Das sie dabei nicht immer fair vorgehen, zeigt dass Robin Hood beispielsweise erst Ende 2019 eine Millionenstrafe für Manipulation der Orderausführung bezahlt hat.

Das Spannende ist jetzt, dass diese den Handel mit bestimmten Aktien wie GME, AMC und anderen ausgesetzt haben.

Als Ursache wurde behauptet, dass sie damit die “Kleinanleger” vor Verlusten schützen wollen. Das führte dazu, dass die entsprechenden Aktien nicht mehr gekauft werden konnten und starke Kurseinbrüche erlitten.

Die wahre Ursache dürften erhöhte Kapitalanforderungen sein, für den Handel der entsprechenden Aktien und ggf. dass die entsprechenden Clearing-Stellen die Aufträge in dem Maße nicht mehr abwickeln konnten. Einige hatten auch einfach technische Probleme und einige sicher auch ein Liquiditätsproblem durch die erhöhten Kapitalanforderungen. Letztendlich verdienen sie ja an jedem Handel und es ist nicht in ihrem Interesse, dass die Leute nicht handeln.

Aber auch andere Anbieter sind vermutlich unter dem Druck der Großen eingebrochen. Discord, eine Chatkanal für viele der Trader, schloss deren Kanal. Facebook schloss eine der wichtigsten Trading-Gruppen, diverse Nachrichtenseiten klagten über die armen Hedgefonds und vieles mehr.

Die Börsenaufsichtsbehörde SEC der USA ermittelt jetzt auch gegen diverse kleine Trader anhand deren Social-Media-Posts wegen Marktmanipulation.

Das ist in dieser Form absolut beispiellos und wird sicher auch noch Konsequenzen haben.

Beispielsweise laufen jetzt gegen RobinHood entsprechende Klagen der Nutzer und die entsprechende Aufregung war natürlich groß 😉

Update: Aufgrund des öffentlichen Drucks, ist der Handel bei den genannten Anbietern teilweise eingeschränkt wieder möglich. Das Vertrauen ist aber sicher angeschlagen.

Runde 4: Silber

Aktuell versucht ein Teil der Community die gleiche Strategie bei Silber. Hier rate ich davon ab, sich zu beteiligen. Ich halte Silber aktuell auch für unterbewertet und für eine gute Langzeitinvestition, jedoch sehe ich da aktuell kein Shortsqueeze Potential kurzfristig.

Ein kleiner Ausblick wie es weitergehen könnte (wilde Spekulation meinerseits)

Jetzt betrachten wir mal, wie es an dieser Stelle weitergehen könnte:

Angeblich halt Melvin Capital am 26.01.2020 die GME Position geschlossen, mit einem Verlust von ca. 3 Milliarden Dollar.

Auch die anderen Shortseller haben Verluste hingenommen die sich laut CNBC auf ca. 5 Milliarden Dollar belaufen.

Ich denke aber, dass dem nicht so ist und Melvin und Co. zu mindestens teilweise noch investiert sind, weil die entsprechenden Kursbewegungen und Handelsvolumen dafür nicht groß genug waren.

Melvin selbst hat auf ihrer Seite geschrieben, dass sie keine offenen Positionen kommentieren. Warum sollten sie ausgerechnet in diesem Fall eine Ausnahme machen?

Und warum sollten sie sogar Werbung auf CNBC schalten, um bekannt zu machen, dass sie ihre Position geschlossen haben?

Weil es in ihrem Interesse ist, denn dadurch verkaufen die Kleinanleger und der Kurs würde wieder fallen.

Der jetzt naheliegende Zug von Melvin wäre es, ihre Shortposition sogar noch zu vergrößern, gerade weil GME und AMC jegliche fundamentalen Bewertungsgrundlagen fehlen, die diesen Kursanstieg rechtfertigen.

Szenario 1: Die Bösen gewinnen

Viele der privaten Anleger, die dort gezockt haben, verstehen das Prinzip des Shortsqueeze nicht. Viele werden über kurz oder lang verkaufen und das wird dazu führen, dass GME und Co. wieder auf ihren ursprünglichen Wert zurückfallen. Während das passiert, werden immer mehr der Kleinanleger verkaufen, um wenigstens einen Teil ihrer Gewinne mitzunehmen oder aus Angst, alles wieder zu verlieren.

Selbst bei professionellen Tradern mit vielen Jahren erlebe ich es immer wieder, wie die Nerven Blank liegen bei solch hohen Kursbewegungen.

Ich denke der Verfall wird dann deshalb genauso schnell kommen, wie der kometenhafte Aufstieg.

Und wenn das passiert, werden Melvin und Co. am Ende die noch größeren Gewinner sein.

Kein Happy End für unsere guten Helden … so ist das die Welt ist manchmal zu wahr, um schön zu sein.

Szenario 2: Die Guten gewinnen

Die Alternative ist es, wenn all die Kleinanleger ihre Position offen halten oder noch ein paar dazu kommen. Keiner verkauft. Keiner beugt sich dem Druck der Großen.

Nicht weil sie Gewinne mitnehmen wollen, sondern weil es ihnen am Herzen liegt, den Bösen mal so richtig den Stinkefinger zu zeigen.

Wenn das passiert, und die Annahme korrekt ist, dass es diverse Akteure geben wird, die jetzt GME und Co. shorten werden und ihre Position noch nicht geschlossen haben, wird sich das langfristig auszahlen und die Guten gewinnen.

Fakt ist, solange niemand seine Aktien verkauft, wird die Nachfrage immer weiter steigen und somit auch der Preis.

Und wir wissen ja, dass es da einige Leute gibt, die dringend diese Aktien brauchen.

Und wenn sie nicht gestorben sind … halten sie die Aktien noch heute 😉

Update: Mit dem Kapital, dass GME jetzt hat, könnten sie ihr Geschäftsmodell auch komplett umkrempeln und beispielsweise einen profitablen Onlinemarktplatz für Spiele erstellen oder aber einfach eine Firma wie Valve, die jetzt an der Börse weniger wert ist, kaufen und deren Steam Marktplatz übernehmen. Vermutlich wird das nicht passieren, aber falls doch, könnte das den fundamentalen Wert von GME massiv erhöhen.

Szenario 3: Die Schnellsten gewinnen und Silversqueeze

Update: 3.2.2021 – Aktuell hat sich die Situation mehr oder weniger in ein verrücktes Casino verwandelt. Die GME Aktion war ein genialer Schachzug. Jedoch aktuell werden eher sinnlos diverse Aktien oder auch Kryptowährungen gepusht und es handelt sich teilweise um ein sogenanntes Pump & Dump Schema, bei dem die schnellsten gewinnen, die früh dabei sind und rechtzeitig aussteigen.

Aufgrund des hohen Risikos empfehle ich dort nicht teilzunehmen.

Das gleiche gilt für den aktuellen Silversqueeze. Gerüchte über einen künstlich niedrig gehaltenen Silberpreis kursieren seit über 20 Jahren und das Handelsvolumen von dem wir hier reden ist ein völlig anderes als verhältnismäßig kleine Aktien wie GME. Den Silberpreis sehe ich stark steigen, wenn das aktuelle Geldsystem in Frage gestellt werden sollte, was derzeit noch nicht der Fall ist.

Fortsetzung folgt 🙂

Was du jetzt tun kannst?

Du kannst entscheiden, ob du auf die “Guten” oder die “Bösen” setzt.

Du könntest auf einen Short spekulieren und von Szenario 1 profitieren.

Du könntest aber auch sagen, paar hundert oder tausend Euro sind mir erstmal nicht so wichtig. Ich will sehen wie das ausgeht und setze auf die “Guten”.

Dann kaufst du ein paar der GME/AMC/NOK/BB Aktien und bist ein Teil eines der wichtigsten Finanzereignisses der letzten Jahrzehnte.

Alle angesprochenen Aktien sind bei dem mehrfach ausgezeichneten Broker Flatex beispielsweise uneingeschränkt handelbar.

Update 03.02.2021: Jetzt noch einzusteigen halte ich für den falschen Zeitpunkt. Lieber auf solide Aktien setzen die Krisengewinner sind und solide Zahlen vorlegen wie z.B. Teamviewer. Auch der Silversqueeze sollte gemieden werden. 

Das beste was du jetzt also tun kannst, ist die Märkte im Auge zu behalten und dich entsprechend weiterzubilden.

Die Ausbildungsangebote auf dieser Seite helfen dir dabei

Kleines Zwischenfazit

Ich habe mich für Szenario 2 und 3 entschieden. Aus vielem halte ich mich aktuell raus und bei den Aktien setze ich mit bisschen Spielgeld auf Nokia, weil ich da wenigstens ein bisschen Potential sehe, dass die Aktie auch unabhängig von diesen Spielereien steigen kann. Aber habe auch ein paar der anderen gekauft.

Das ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Finanzereignisse der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Hier werden die großen Akteure der Wallstreet mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Sie werden jetzt nach Regulierungen rufen, sie leihen sich noch ein paar Milliarden, um weiter zu zocken und sie werden weiter mit unfairen Mitteln spielen. Aber ob das reichen wird?

Wir werden sehen… Ich werde den Artikel auf dem Laufenden halten….

Wichtig ist aber, dass du solche Spielereien nur machst, mit Geld dass du nicht benötigst! Denn Fakt ist, das ist in keiner Weise nachhaltig, sinnvoll oder produktiv. Das ist mehr oder weniger ein Casino aktuell und es besteht das sehr hohe Risiko, dass man sein Geld auch verspielt.

Viel Erfolg an der Börse, in diesen außergewöhnlichen Zeiten.

 

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