Wie du eine Bullenfalle an der Börse erkennst und vermeidest

Eine Bullenfalle ist eine dieser Situationen die dich beim Trading an der Börse sehr viel Geld kosten können! Aber auch einer dieser Begriffe, den du eigentlich ignorieren kannst, denn das lässt sich zum Glück relativ einfach vermeiden und genau darum geht es heute. Wie du solche Fallen erkennst und große Verluste vermeidest.

Um zu verstehen, was eine Bullenfalle ist, betrachten wir nochmal kurz die Grundlagen.

Was ist eine Bullenfalle?

An der Börse spricht man von Bullen, Bären und auch Bullen- bzw. Bärenfallen. Damit wird der Job der Börsenreporter und Journalisten vielleicht etwas weniger langweilig, wenn sie sich tolle Namen ausdenken können.

Die Bullen sind die Käufer, die an steigende Kurse glauben. Die Bären sind die Verkäufer, die auf fallende Kurse setzen.

Das kannst du dir leicht so merken, dass der Bulle mit den Hörnern nach oben stößt, wohingegen der Bär mit den Pranken nach unten drückt.

Die Bullenfalle ist eine Situation in der steigende Kurse auf einen Widerstand treffen (lies hier unseren Ausführlichen Artikel zum Thema Support / Widerstand) und diesen scheinbar durchbrechen.

Das sorgt natürlich für gute Laune bei allen Bullen, die jedoch nicht allzu lange anhält, weil der Kurs dann extrem stark in die Gegenrichtung abfällt.

Ein konkretes Beispiel siehst du in der Abbildung. Zu sehen ist der Kurs der PayPal-Aktie. Dieser bildet zunächst einen lokalen Hochpunkt, dann erfolgt eine kurze Korrektur und anschließend entsteht der neue Hochpunkt (mit einem Kreis markiert).

bullenfalle paypal
Bullenfalle PayPal-Aktie im Metatrader 5

Die Rote horizontale Linie markiert den Widerstand durch den vorherigen Hochpunkt.

Doch anstatt jetzt weiter zu steigen, fällt der Kurs dramatisch.

Genau das ist die Bullenfalle, die dich viel Geld kosten kann, wenn du dich nicht entsprechend vorbereitest. Wie das am besten geht, dazu kommen wir gleich, aber vorher besprechen wir noch kurz wie sie entsteht und wie man die Bullenfalle denn vielleicht im Vorfeld erkennen kann.

Was passiert am Markt in einer Bullenfalle?

Eine Bullenfalle tritt am ehesten nach einem langen Aufwärtstrend auf. Dabei handelt es sich um eine anhaltende Aufwärtsbewegung des Preises, die schon seit langem aktiv ist.

Das bedeutet, dass die Käufer schon sehr lange die Kontrolle haben und höchstwahrscheinlich kurz davor sind, ihre Ressourcen zu erschöpfen. Diese Vermutung bestätigt sich, wenn der Preis schließlich in eine Widerstandszone eintritt.

Der Preis verlangsamt sich in der Regel, wenn sich kürzere Kerzen bilden. Wir können dieses Ereignis damit in Verbindung bringen, dass eine beträchtliche Anzahl von Long-Händlern (Käufern) ihre Gewinne auf dem Widerstandsniveau mitnimmt. Wir hatten ja in unserem Artikel zum Thema Take-Profits die Idee schon mal besprochen.

Danach verlangsamt sich der Markt, bevor weitere Käufer einspringen und versuchen, den Preis über die Widerstandszone hinaus zu drücken. Dies führt zur Bildung eines “Break-Outs” (Eine meiner Lieblings Trading-Strategien für kurzfristiges Handeln). Die Bullen sehen dies als Fortsetzung des Aufwärtstrends und kaufen fleißig weiter.

Da die meisten Käufer jedoch ihre Ressourcen ausgeschöpft haben, beginnen die Verkäufer, ihre Orders einzustellen, und den Markt zu dominieren. Verkäufer, die diese Situation sehen, beginnen dann meist ebenfalls damit, ihre Positionen zu schließen und Gewinne mitzunehmen. Dadurch sinkt das Käufervolumen noch weiter.

Das daraus resultierende Ungleichgewicht zwischen den Käufern und den Verkäufern führt dazu, dass der Trend zu Gunsten der Verkäufer kippt. Wenn der Trend nach unten sinkt, werden die Stop-Losses der neuen Käufer mitgenommen, wodurch die Verkäufer noch stärker werden.

Es entsteht also eine Art Abwärtsspirale die sich selbst verstärkt und zu einem starken Kursabfall führt.

Die Käufer, die davon ausgingen, dass der Trend weiter nach oben gehen würde, haben hoffentlich ihre Stopp-Losses aktiviert. Wer das nicht hat, dem drohen an dieser Stelle größere Verluste!

Wie kann ich die Bullenfalle erkennen und handeln?

Jetzt wird es spannend, denn hinterher auf einen Chart gucken und sagen, ja ist doch klar, genau so sieht die Bullenfalle aus … das kann jeder.

Nützt uns aber im Trading wenig, wenn wir das nicht vorher wussten. Das reicht dann höchstens noch für Wirtschaftsanalysen in den populären Medien.

Dazu vorweg nochmal die Erinnerung:

Daytrading ist Wahrscheinlichkeit. Der Markt kann immer genau das Gegenteil von dem machen, was du erwartest.

Der erste Hinweis auf eine mögliche Bullenfalle, ist ein starker Aufwärtstrend, der seit langem anhält, aber deutlich auf eine bestimmte Widerstandszone reagiert.

Der Kurs testest einen bestimmten Widerstand also beispielsweise mehrfach an, und fällt aber immer wieder stark zurück.

Meist lassen sich Bullenfallen auch anhand von einfachen Chartpattern erkennen. Typisch für die Bullenfalle ist beispielsweise das Double Top Muster, wie in dem obigen Beispiel zu sehen.

Im Trading-Code Buch, werden solche einfachen grundlegenden Chart muster die du leicht erkennen kannst vorgestellt.

Diese sind aber auch alle nicht so zuverlässig und von daher ist meine Empfehlung, dass du dich gar nicht so sehr auf die Erkennung von solchen Fallen konzentrierst.

Das das einzige wirklich Mittel, was du in dieser Situation tun kannst:

Setze immer einen Stop-Loss.

So begrenzt du deine Verluste und bist vorbereitet und sicher auch noch profitabel, weil die Situation mit der Bullenfalle auch nicht so oft auftritt.

Lies hier dazu unseren ausführlichen Artikel zum Thema Stop-Loss und wie du ihn richtig platzierst.

Kann man die Bullenfalle vermeiden?

Naja, du könntest es beispielsweise vermeiden an Widerstandslinien zu kaufen. Das halte ich durchaus für sinnvoll. In meinem Buch Daytrading für Einsteiger und im Daytradingkurs erläutere ich die Möglichkeit des Alternativen Einstiegs in Trendfolge Positionen. Das kann da helfen.

Du könntest außerdem gucken, wie lange Trends schon bestehen und was der Gesamtmarkt so macht. Da wird es dann aber schon etwas schwammiger, weil Trends manchmal auch über viele Tage, Monate oder Jahre anhalten können. Sieh dir nur mal beispielsweise die Amazon Aktie an.

Du könntest außerdem die erste Korrektur für einen Einstieg abwarten. Riskierst dann natürlich aber auch, dass du die Aufwärtsbewegung des Break-Outs verpasst.

Aber das Grundprinzip bleibt, dass es an der Börse manchmal solche Situationen gibt, wo du Verluste auch nicht vermeiden kannst und die “Bullenfalle” ist vermutlich eine davon.

Du könntest dann einerseits Short gehen und von den fallenden Kursen profitieren. Aber das würde ich in der Situation auch nicht raten.

Was ich stattdessen mache?

Fazit: Wie ich Bullenfallen trade

Ich ignoriere dieses Thema / diesen Begriff einfach. Ich begrenze die Verluste mit einer Stop-Loss-Order, halte mich an meine Strategie, setze auf die Macht der Wahrscheinlichkeit und warte einfach ab.

Wie gesagt ist Trading Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit einer Bullenfalle ist geringer, als die, dass es keine ist und ein Trend sich einfach fortsetzt.

Deshalb sichere ich mich gegen die Verluste ab aber spekuliere trotzdem darauf, dass der Kurs beispielsweise im obigen Paypal-Beispiel weiter steigt. Ab und zu verliere ich ein wenig, aber in der Mehrzahl der Fälle gewinne ich.

Also insgesamt die vermutlich profitabelste Strategie für sowas.

Wenn du jetzt anfängst überall nach Bullenfallen / Bärenfallen zu suchen, wird das deinem Trading sicher nicht gut tun.

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